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VIELFALT UND WIENERWALD

Saubere Luft, Freiräume, nachhaltiger Verkehr, bezahlbarer Wohnraum, kulturelle Angebote – das sind nur einige Faktoren für eine Stadt, in der wir uns gerne aufhalten. Und genau darum wird in allen Ballungszentren Europas gerungen. Wem dient die Stadt, dem Kapital oder den Menschen, die in ihr leben? Da, wo verschiedene Interessen in Konflikt miteinander stehen, sind die stärksten Waffen Ideen, Innovation und sicher auch der Enthusiasmus von Menschen, die den Ist-Zustand verbessern möchten.

Einer der Vorreiter unter den neuen Städten mit einem zukunftsfähigen Antlitz ist Wien. Neben Würstelständen, Praterausflügen und Kaffeehauskultur bietet Wien vor allem eines: Lebensqualität. Und die ist sogar so hoch, dass Wien seit 2018 den ersten Platz unter den lebenswertesten Städten belegt (nach dem Ranking des Nachrichtenmagazins: The Economist.)

Ein Erfolgsfaktor ist sicherlich die kluge und weitsichtige Politik der Vergangenheit, die heute noch Früchte trägt. Hätte man den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs nicht seit den 70ern vorangetrieben, gäbe es heute wohl deutlich mehr Autos in der Stadt und auch sicherlich kein Jahresticket der Wiener Linien für 365 Euro, also einem Euro pro Tag. Und hätte man sich in den 80ern nicht dazu entschlossen, den Wienerwald als grüne Lunge der Vorstadt zu erhalten, wäre die Luft heute wohl um einiges stickiger.

Der Schutz des Wienerwaldes ist übrigens eines der Lieblingsbeispiele Gabriele Tatzbergers dafür, was in Wien besonders gut läuft. Seit 10 Jahren ist sie die Leiterin der Abteilung Start-up Services der Wirtschaftsagentur Wien und daneben auch Geschäftsführerin von Vienna Region. Sie weiß, dass sie es den smarten Entscheidungen der Vergangenheit zu verdanken haben, dass Wien beim Ranking der lebenswertesten Städte auf Platz 1 liegt. Frau Tatzbergers Aufgabe besteht darin, jene Unternehmer mit Rat und Tat zu unterstützen, die dafür sorgen, dass Wien in Zukunft noch lebenswerter sein wird.

Die Wirtschaftsagentur Wien liegt direkt an der belebten Mariahilfer Straße, die man selbst als Beispiel gelungener Stadtentwicklung bezeichnen kann: mäßiger Autoverkehr, viel Grün, Platz zum Flanieren und viele Sitzgelegenheiten. Seit mehr als 30 Jahren unterstützt die Wirtschaftsagentur große und kleine Start-ups und Betriebe, die sich in Wien ansiedeln wollen. Auch die Wiener Niederlassung von BESPACED kam mit Unterstützung der Wiener Wirtschaftsagentur zustande.

Das Interview mit Gabriele führen wir im obersten Stockwerk der Agentur. Hier gibt es offene Räume mit Designmobiliar, blauen Wandteppichen und einer verspiegelten Decke. In dem Zimmer, in dem wir das Interview führen, fällt zunächst eine Wand auf, die aussieht, als wäre sie mit grünem Moos oder Flechten bewachsen. Die grüne Gestaltung des Zimmers passt gut zu unserem Thema, denn grün – im Gegensatz zu grau – könnte man als neue Farbe der Stadt ansehen, zumindest wenn es sich um eine „Smart City“ handelt.

„Es ist schon lange das Ziel, die Stadt so zu gestalten, dass sie zukunftsfähig wird, und möglichst viele Maßnahmen zu ergreifen, damit auch die Leute in 100 Jahren gut hier leben können“, sagt Tatzberger. In Wien, so erzählt sie weiter, gibt es viele smarte Bereiche. Als ein Beispiel von vielen nennt sie uns die Müllverbrennungsanlage, deren Abwärme für das Beheizen von Wohngebäuden benutzt wird.

Aber was ist eigentlich eine Smart City? Für Tatzberger und ihr Team ist das eine Stadt, in der die Technologie dem Menschen und der Gesellschaft dient. „Technologie soll kein Selbstzweck sein, sondern so eingesetzt werden, dass es zu einer Lebensqualitätsstärkung kommt. Technologie soll die Stadt nachhaltiger machen, in sozialer und umweltfreundlicher Hinsicht“, erklärt sie.

Die Wirtschaftsagentur Wien leistet einen wesentlichen Beitrag zum grünen Wachstum der Stadt, zum Teil sogar mit eigenen Bauprojekten: „Wir bauen auch selbst Immobilien, die sehr smart sind, wie zum Beispiel das Technologiezentrum in Seestadt.“ aspern Seestadt ist ein Teil des 22. Bezirkes Wien Donaustadt und ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Hier hat die Wirtschaftsagentur Wien Energie-Plus-Gebäude erbaut, die mehr Energie generieren, als sie verbrauchen. Mit dieser Pionierleistung will die Wirtschaftsagentur anderen Bauträgern zeigen, dass sich solche Gebäude lohnen und dass sie nur geringfügig teurer sind als normale Gewerbegebäude. Durch die positive Energiebilanz und der Einsparung von Nebenkosten leisten diese Gebäude ihren Beitrag zur Smart City.

Aber auch für die Altbauten werden innovative Ansätze gesucht. Nach Möglichkeit sollen Altbauten „revitalisiert“ werden. Ein Upgrade für diese alten Gebäude könnten etwa Fassadenelemente sein, die das Stadtklima verbessern, die Bausubstanz aber nicht beeinträchtigen. Sie werden bereits von mehreren Wiener Firmen angeboten. Eine weitere Maßnahme der Wirtschaftsagentur Wien besteht darin, technologieorientierte Unternehmensgründer mit Kreditgebern zusammen zu bringen.

Aus Tatzbergers 10-jähriger Dienstzeit sind ihr einige Erfolgsgeschichten besonders in Erinnerung geblieben. Darunter zum Beispiel die Smart-Parking-Lösungen von Parkbob für den öffentlichen Raum, ebenso von Payuca für Privatgaragen. Ein anderes Erfolgsbeispiel ist der Stromanbieter Awattar, der den grünen Strom zum stündlich günstigsten Preis anbietet. „Awattar hat mit diesem Konzept erst vor kurzem den Sprung auf den internationalen Markt geschafft“, erklärt Tatzberger. Sie erinnert sich auch an das Start-up Twings, das intelligente Steuerung und Optimierung des Energieverbrauchs in Haushalten und Unternehmen anbietet. Sie erzählt uns auch stolz von Gleamproducts, die mit ihrer E-Mobility-Lösung für Logistik und Transport mittlerweile eine Vorreiterrolle eingenommen haben.

Wir bieten für Unternehmen einen 360°-Service an. Dazu zählen ausführliche Beratungen und Förderungen. Aber wir setzen uns auch ganz stark dafür ein, dass die Wirtschaft in Wien genug Raum hat. Wien ist beispielsweise ein wichtiger Player im Life Science Bereich. Jährlich werden hier 10 Milliarden Euro Umsatz gemacht, aber die Infrastruktur für Start-ups in diesem Bereich hat bislang gefehlt. Ab 2019 schließen wir diese Lücke und bieten jungen Unternehmen voll ausgestattete Start-up Laborinfrastruktur im Vienna Biocenter an. Damit ergänzen wir ein bisher fehlendes Puzzleteil im breiten Spektrum an Unterstützungsmaßnahmen für die gesamte Life Science Branche in Wien. Die gemeinsam nutzbare Infrastruktur ist eine erhebliche Unterstützung, damit die Start-ups ihre Tätigkeit in Wien unkompliziert, flexibel und mit minimalem Risiko aufnehmen können. Und: in den gemeinsam genutzten Laboren entstehen sicherlich inhaltliche Synergien, aus denen neue Projekte entstehen können.

Für mich ist es wichtig, dass die Infrastruktur passt, ein angenehmes Flair herrscht, gleichzeitig auch Kultur, Erholung und Grünnähe möglich ist. Wien vereint diese Ansprüche wunderbar und ist auch deshalb nun schon mehrfach in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt worden. Vielfalt und Wienerwald!

Meine Lieblingsplätze sind eigentlich eine ganz besondere Situation. Ich liebe es, der Stadt morgens um 7 Uhr beim Aufwachen zuzusehen und mit dem Rad zu fahren. Der Weg vom Prater durch die Innenstadt mit Graben, Kohlmarkt, Heldenplatz und Museumsquartier ist um diese Uhrzeit ein Traum!

Interview: Lena Levitina Text: Helge Brumme Fotos: Darya Kucher

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