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EINSITZEN IST ANGESAGT

Farbenfroh, fröhlich, berührend, mutig, voller Charme und facettenreich – so sind die Möbel und Alltagsgegenstände, die bei LILO ́s aufzufinden sind. Neben Klassikern aus dem 20. Jahrhundert mit Focus auf den 50er bis 70er Jahren fasziniert bei LILO´s die gelungene Symbiose aus Showroom, Werkstatt und Café in einem Ambiente aus hohen Decken, alten Backsteinwänden und Industriecharme. Seit November 2018 stehen in der Brotfabrik Wien auf 400qm seine Pforten offen.

„LICHTERLOHs kleine Schwester, so wird das LILO ́s oft genannt“, sagt die Store Managerin Beate Hautzenberger mit einem Lächeln und skizziert mit wenigen Worten die emotionale Seite des Wohnens und des Wohlfühlens mit Dingen, die unsere Seele berühren, unsere Individualität zeigen oder Erinnerungen wecken.

Beate Hautzenberger erzählt, dass sie früher als Werbegrafikerin gearbeitet hat. Nach einigen Jahren in ihrem Beruf wurde das Gefühl immer stärker, sie müsste etwas anderes tun. Was genau, das war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Völlig unerwartet kam der Vorschlag, für LICHTERLOH zu arbeiten. Mit ihrem Gefühl für Farben, Formen und Stil wäre sie die perfekte Ergänzung im Team. Sie traute sich und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut.

„Man kann alles lernen und ich bin froh, dass man schon vor über zwanzig Jahren so viel Vertrauen zu mir hatte. Ich bin glücklich mit dem, was ich tue. Auch meine Zeit mit LICHTERLOH in der Wiener Glasfabrik war schön, aber nun bin ich angekommen, hier im LILO ́s. Die Entstehungsgeschichte des LILO ́s ist ebenso spannend, wie die Vergangenheit der zumeist einzigartigen Möbel und Accessoires hier ,“ sagt Beate.

Seit über 30 Jahren begeistert der LICHTERLOH Kunsthandel seine Kunden mit ausgewählten Designklassikern, insbesondere mit Originalen aus den 1920er-1970er Jahren und einer eigenen Möbellinie. Zugleich bietet LICHTERLOH österreichischen Designern eine Plattform und unterstützt sie darin, auch im Ausland wahrgenommen zu werden. Den LICHTERLOH-Inhabern war bewusst, so Beate Hautzenberger, dass sie etwas völlig Neues anbieten mussten, um gegen den etablierten Jugendstil- und Antiquitätenmarkt bestehen zu können. Doch sie haben mit ihrem Konzept und ihrem Mut auch Skeptiker überzeugen können.

Parallel dazu gründeten sie vor zweiundzwanzig Jahren, mit drei Wiener Antiquitätenhändler, die Wiener Glasfabrik. In den angemieteten Hallen des früheren Glasbiegewerks in Ottakring, wurden Möbel, Kunstgegenstände und Kuriositäten vergangener Epochen angekauft, aufgearbeitet und wieder verkauft. „Auch in der Wiener GLASFABRIK zeigten wir LICHTERLOHER einen faszinierenden Mix aus Möbelstücken und Dekorationsgegenstände, die leichter und ungezwungener wirkten als die schweren Antiquitäten, die von den Partnern angeboten wurden“, erinnert sich Beate Hautzenberger. Als der Eigentümer den Mietvertrag kündigte, um dort Wohnhäuser bauen zu können, begann die Suche nach einem neuen Standort.

Der neue Standort wurde eben hier in der Brotfabrik Wien gefunden. „Ich habe das Gefühl, ich war nie woanders. Es ist alles so stimmig. Die Nachbarn sind nett. Das Miteinander ist schön. Wir haben hier Galerien und viele kreative Menschen, die mit ihrem Engagement, mit ihren Ideen und den Dingen, die sie tun, die alten Gebäude und das Umfeld bereichern. Das ganze Areal brodelt und es ist schön, dies zu erleben und mitgestalten zu können. Alles hat hier eine gute Grundschwingung und die brauche ich auch. Es hört nie auf, spannend zu sein. Genau dies mag ich sehr,“ erzählt Beate Hautzenberger.

Buffets, Schminktische, Sessel, Sofas, Tische, Stühle und die dazu passenden Lampen, Spiegel, Vasen, Zeitungsständer oder Garderoben geben den Wänden aus gebrannten Ziegelsteinen bunte Farbtupfer. Innerhalb weniger Minuten arrangiert Beate Hautzenberger einige Möbel-und Dekorationsstücken auf unterschiedlichste Weise miteinander und so lässt sich gut beobachten, was mit einem Raum passiert, wenn ein Teil herausgenommen und durch ein anderes Stück ersetzt wird. Mit jeder Variation verändert sich die Atmosphäre des Raumes. Möbeln und Gegenständen ordnet sie auch gerne eine neue Funktion zu. So findet der Küchenschrank aus den 60er Jahren eine neue Bestimmung, z.B. als Buffet im Wohnzimmer oder wird im Badezimmer als Handtuchablage genutzt.

“Gerne helfen wir unseren Kunden dabei, ihren eigenen Stil zu finden. Mutiger zu werden, sei ein wichtiges Stichwort. Da man auch nicht mehr streng daran festhalten sollte, nur Stücke aus dem gleichen Jahrzehnt zu kombinieren,” betont Beate Hautzenberger. “Oftmals ist der Raum aber schon im Kopf der Kunden fertig eingerichtet, und wir begeben uns gemeinsam auf die Suche nach den Möbelstücken, die gedanklich perfekt zusammenpassen.“

Meine Frage, ob es Möbelstücke gibt, die sie sofort besitzen möchte, bringt Beate Hautzenberger zum Schmunzeln. Sie überlegt nur kurz und schüttelt dann den Kopf. „Nein, es geht mir nicht um das Besitzen der Stücke. Ich umgebe mich gerne mit schönen Dingen und es macht mich glücklich, wenn ich sie in meinem Umfeld habe, aber ich bin auch nicht traurig, wenn uns schöne Dinge verlassen, da ich weiß, dass sie einen neuen Platz bekommen. Zugleich weiß ich, hier ist nun Platz für etwas Neues. Das ist fein und das ist auch gut so.“

Dann ergänzt sie mit einem Lächeln: „Aber es gibt tatsächlich Stücke, die stehen nun bei uns Zuhause. Es sind Dinge, die das gesamte Team begeisterten. Wir haben sie angekauft, aber leider fand sich dafür kein Käufer. Das ist für mich immer ein deutliches Zeichen: Dieses Möbel will zu mir und so werden sie dann zu Stücken, die ich nicht mehr hergeben möchte, z.B. Stehlampen. Ich habe einen absoluten Stehlampenfimmel!“

Begeisternd beschreibt Beate Hautzenberger eine Lampe, die sie schon seit ihrem achtzehnten Lebensjahr besitzt und die sie niemals abgeben würde, da sie so viele Erlebnisse mit dieser Lampe verbindet. Sie ist ein wichtiger Teil ihrer Lebensgeschichte und genau dies wünscht sie ihren Kunden: Ein Stück zu sehen und sofort zu spüren, dass es zu ihnen gehört.

Schon oft habe sie erlebt, dass ein Möbelstück, ein Sessel, Sofa oder Stuhl hoch motiviert restauriert wurde und somit seinen Charme und seine Seele verlor. Beate Hautzenberger zeigt auf einen roten Ledersessel, die feine Narbung und die kleinen Risse im Leder. Sie erklärt, wie wichtig es sei, zu bedenken, dass dieser Sessel über vier Jahrzehnte hinweg eingesessen wurde. Sobald hier eine glatte Lederhaut aufgezogen würde, verändere sich das Erscheinungsbild des Sessels gravierend. Dieses Möbel habe eine Aussagekraft, einen Ursprung und der Sessel würde an Authentizität verlieren, sobald das Leder erneuert wird. „Einsitzen und Nachsitzen ist dann angesagt, über viele Jahre, damit der Sessel wieder den Charakter erhält, den er vor der Restaurierung hatte.“

Sollte der Stoff schmutzig oder verschlissen sein, so muss er natürlich ersetzt werden, aber ein kleiner Riss oder eine Macke im Tisch dürfte schon sein und gehört zu dem Stück, das vor einem steht, gibt sie zu bedenken. „Unser Team schaut sich die Dinge genau an, und wir überlegen gemeinsam, ob wir sie aufarbeiten sollten. Oftmals entscheiden wir uns jedoch dagegen. Wenn der Kunde eine Aufarbeitung wünscht, so können wir die Stücke hier vor Ort, in unserer Werkstatt, behutsam restaurieren, Sessel und Sofas neu tapezieren („tapezieren“, sagt man in Österreich und bedeutet polstern). Unsere Kunden suchen eher ein ausgefallenes, ein originelles Teil, ein Stück mit einem WOW-Effekt und so darf man den Möbeln auch ansehen, dass sie in den vergangenen sechzig oder siebzig Jahre benutzt wurden. Unsere Stücke dürfen Gebrauchsspuren besitzen und behalten“, fasst Beate Hautzenberger die Philosophie zusammen, die sie mit ihrem Team im LILO ́s verfolgt.

„Perfektion darf mit Entspanntheit kombiniert werden“, betont Beate Hautzenberger, streichelt über die bunte Oberfläche des Nierentisches und zeichnet das kleine, karierte Quadrat mit einem Finger nach, bevor sie eine Frage an mich richtet, die nicht zu beantworten ist: „Welche Geschichten würden die Möbel erzählen, wenn sie sprechen könnten?“

Der Kunde darf die ausgestellten Möbel erfühlen, berühren, er darf und sollte auf den Sesseln und Stühlen Platz nehmen, er darf das favorisierte Stück auch gerne mit nach Hause nehmen, um testen zu können, ob es zu der Umgebung passt.

Dieses Angebot wird von den Kunden sehr geschätzt. Es gibt ihnen Sicherheit und so wurden schon einige Stücke mit nach Hause genommen, um zu sehen, ob sie funktionieren, ob sie zur Einrichtung und zu der Wohnung passen. In den meisten Fällen fanden sie jedoch genau den Platz, für den sie bestimmt waren, berichtet Beate Hautzenberger.

„Stolz werden uns Bilder vom neuen Standort des gekauften Möbels gezeigt. Das macht mich glücklich. Ich liebe diesen Kreislauf von Dingen, denn es funktioniert ja auch umgekehrt. Wir kaufen die Möbel- und Dekorationsstücke unserer Kunden und so finden die ausrangierten Teile vielleicht über LILO ́s einen neuen Liebhaber: es hat auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun, Dinge nicht sofort zu entsorgen, wenn sie nicht mehr zu einem passen oder sich die Wohnraumverhältnisse verändern.“

„Mit dem LILO ́s sind wir ein Teil des Kulturareals und befinden uns im denkmalgeschützten Bereich der ehemaligen Ankerbrotfabrik. Da wir die Wände nicht verändern dürfen, haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, auch Dinge zeigen zu können, die eine Wandbefestigung benötigen. Nun stellen wir an einigen Stellen große Holzplatten vor die Wände, die sich nun dekorieren oder farblich gestalten lassen. Vor einigen Wochen war die pinkfarbene Wand noch blau. Ein absoluter Hingucker, vor allem in Verbindung mit den Messingobjekten der 60er Jahre. Diese sind bei unseren Kunden zurzeit besonders beliebt“, ergänzt Beate Hautzenberger und zeigt auf die bunten Wände, an denen Spiegel, kleine Wandlampen und Regale hängen.

„Wir bekamen Besuch von einem Herrn, der uns seine Tante vorstellte, die er mit der Fahrt zur Ankerbrotfabrik überraschen wollte. Sie war mittlerweile 93 Jahre alt und hatte viele Jahre als Sekretärin bei der Ankerbrotfabrik gearbeitet. Die Beiden saßen hier im Café und die ältere Dame erzählte Geschichten aus der Zeit, als hier noch Ställe für die Arbeitspferde zu finden waren. Sie zeigte mir das Gebäude, in dem sie früher gearbeitet hat. Es war so rührend“, sagt Beate Hautzenberger, “die Freude der alten Dame miterleben zu dürfen, die die Ankerbrotfabrik noch aus der Zeit kannte, als das gesamte Areal, mit über 68.000 Quadratmetern, für die Produktion von Broten und anderen Backerzeugnissen genutzt wurde.”

Die Brotfabrik Wien wird immer als Vorzeigeprojekt genannt, erwähnt Beate Hautzenberger, da sowohl die denkmalgeschützten, als auch die nicht geschützten, historischen Gebäude erhalten blieben. Die ältere Dame bestätigte, dass der Charme der alten Ankerbrotfabrik erhalten wurde, obwohl sich nun, auf einem Teil der Fläche, das Kulturareal Brotfabrik Wien etabliert.

Das Team des LILO ́s entwirft und produziert auch eigene Möbelstücke und bietet Workshops für Kunden an, die ihr Möbelstück gerne unter Anleitung selbst reparieren würden oder erlernen möchten, einen Sessel zu verleimen, ein defektes Kabel an einer Lampe zu ersetzen oder eine Holzoberfläche aufzubereiten.

„Wir bekommen soviel positives Feedback und es ist schön, zu sehen, dass sich unsere Kunden wohlfühlen. Sie kommen oftmals nur bei uns vorbei, um einen Kaffee zu trinken, einen Blick in die Werkstatt zu werfen oder sich Tipps und Inspirationen für die eigene Wohnung zu holen. Die Kunden schätzen die loftähnliche Atmosphäre und die Ausstattung der Räumlichkeiten“, berichtet Beate Hautzenberger.

Ich bedanke mich bei Beate Hautzenberger für das spannende Gespräch. Ich freue mich auf LILO`s als Gastgeber bei BESPACED. Die Räumlichkeiten von LILO ́s können auf unserer Webseite HIER für Fotoshootings, Film- und Werbeproduktionen, Lesungen, Firmenmeetings oder Meetups gebucht werden.

Interview: Inge KamenzText: Inge KamenzFotos: Lina Polovets

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